Archive for the 'Second Life' Category

re:publica 08

Thema der re:publica ist ja die kritische Masse

  (die) für verschiedene Seiten des gleichen Komplexes (steht): Das Internet und neue Kommunikationsformen werden immer mehr in das Leben der Menschen integriert. Web 2.0-Anwendungen entwickeln sich zu Selbstläufern. Und zum anderen steht auch die Fähigkeit der Masse zur Kritik im Zentrum des dreitägigen Events.

Was aber wenn sich die Menschen anfangen dagegen zu wehren, in immer größerem Umfang von Technik(en) abhängig zu sein? Was ist mit “digitalem Selbstmord”? Menschen die sich ganz bewusst von dieser ganzen Hyperkommunikation zurückziehen. Menschen für die es kritisch ist, wie unsere Gesellschaft mit der Digitalisierung umgeht – die sich ihr einfach verweigern. Damit meine ich nicht diejenigen, die sich kritisch mit Themen wie privacy, Datenschutz usw. befassen, sondern die für die das alles ein Buch mit sieben Siegeln darstellt, bei denen sich das Gefühl einstellt schon längst den Anschluss verloren zu haben.Ich bin der Meinung, es ist dringend Notwenig, sich einmal darüber Gedanken zu machen, welche Folgen daraus entstehen können. Besteht hier nicht bereits eine weitere Dimension der digitalen Spaltung, die weit über die technische Dimension hinausgeht? Gerade eine Veranstaltung wie die re:publica wäre dafür ein Ort.

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re:publica Video: Identität im Netz

Seit paar Tagen werden Videos einiger Veranstaltungen von der re:publica verfügbar gemacht. Eine gute Chance, wenn man nicht da war, verpasstes nachzuholen…Empfehlenswert ist das Video des Panels zu “Identität im Netz” mit Stephan Baumann – schreibt auch bei hard bloggin’ scientist – und Ralf Bendrath (http://www.netzpolitik.org).

mehr Videos:

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Interview mit Howard Rheingold: Kooperation in virtuellen Welten

Auf Terra Nova findet sich ein kurzes Interview mit Howard Rheingold. Er ist der Autor von “Virtuelle Gemeinschaft: soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers” und “Smart Mobs: The Next Social Revolution” und befasst sich mit den Rahmenbedingungen von (sozialen) Medien, Kultur und digitalem Journalismus. Continue reading ‘Interview mit Howard Rheingold: Kooperation in virtuellen Welten’

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Aktuelles zum Thema Online-Communities

  • Beim elektrischen Reporter gibt es ein sehr informatives Interview mit dem Gründer der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia Jimmy Wales. Was ist das Geheimnis einer stabilen Community? Was ändert sich, wenn das (große) Geld ins Spiel kommt? Was meint der Begriff des “Crowdsourcing” und was kann man davon halten? (Hier kommt man direkt zum Transkript des Intervies bei Siggi.)

  • apophenia hat eine Liste von “non-english social network sites” veröffentlicht. die durch die Kommentare ständig wächst. Um als Social Network Site zu zählen: “the site MUST have 1) a public or friends-only profile system; 2) a publicly articulated list of “Friends” who are also on the system (not blogrolls). Friends must be visible on an individual’s profile and it must be possible to traverse the network graph through that list of Friends.” Wer also nocht etwas kennt, das noch nicht auf der Liste steht….
  • Und noch der Hinweis auf zwei Blog-Artikel von Ralf Bendrath. Der erste Artikel verlinkt zu Artikeln, die im Rahmen eines Symposiums an der New York Universtity im September 2006 zum Thema “Identity and Identification in a Networked World” entstanden. Einige Beiträge sind dabei auch als Sonderausgabe von “First Monday” erschienen. Der zweite Artikel, befasst sich mit Reputations Systemen im Internet und der sozialen Funktion des Lügens.
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Karte der Online Communities

(via apophenia)

Für alle die sich mit Online Communities befassen hat XKCD eine Karte gezeichnet, die einem bei der Orientierung behilflich sein kann…

Online Communities

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Modernes Wohnen

Gerade bei der sonntäglichen Netzlektüre entdeckt und dann direkt mal los geschrieben: Fremde in der Küche – Wohngemeinschaften in NYC.

Es geht darum, dass das wohnen in WGs, eigentlich ja eine Wohnform aus der Studentenzeit, für viele in New York lebende Menschen bis ins fortgeschrittene Alter hinein zur Normalität geworden ist.
Wechselnde Partnerschaften, unregelmässige Einkommensverhältnisse, der Anspruch immer flexibel zu sein zwingen diejenigen New Yorker, die nicht bei einer großen Anwaltskanzlei oder an der Wall Street arbeiten und sich damit ein 45 Quadratmeter großes Einzimmer-Appartment für 2500 Dollar (rund 1870 Euro) leisten können, sich einer ungewohnten Situation anzupassen.
Bedingt durch den eigenen Lebensstil der Unabhängigkeit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung gegen Stabilität und Bindung eintauscht und extrem hohe Mieten, werden Menschen also dazu gezwungen sich ihre Wohnung mit Fremden zu teilen und müssen dabei oftmals auf ihre Privatsphäre verzichten.

Soziologisch gesehen ist das ziemlich spannend.

Die Wohnung, das “zu Hause”, hatte für Menschen in den letzten Jahrzehnten eine wesentliche Funktion, nämlich die der Privatheit. Nachdem durch das Entstehen der Lohnarbeit, beginnend im Mittelalter, der Lebenszusammenhang der Wohn- und Arbeitsgemeinschaft auseinander gerissen wurde, entstand aus der Wohnung der Raum für die neue Kleinfamilie. Ein “trautes Heim”, dass die emotionale Lebensmitte der Familie sein sollte “eine Insel” vollständiger Privatheit und intimer Geborgenheit.

In der Realität der engen städtischen Armenquartieren, existierte dieses Idealbild jedoch noch nicht. Das Leben spielte sich zu dieser Zeit im wesentlichen auf der Straße ab, in Hauseingängen und Höfen, aber auch in den Kneipen und Läden um die Ecke. Die Chance auf Privatsphäre war hier noch sehr gering und doch sorgten die technischen, sozialen und hygienischen Probleme dichten Zusammenlebens von immer mehr Menschen dafür, das sich erst Scham- und Peinlichkeitsschwellen entwickelten, worauf der Ausschluss der Körperlichkeit aus der Öffentlichkeit folgte und schließlich in der “Verhäuslichung der Vitalfunktionen” (Gleichmann) endete.
Der Erfolg der (Etagen-)Wohnung liegt in der Realisierung der zentralen Bürgerlichen Wohnkonzepte: die strikte Abtrennung von Dritten durch eine individuelle Schwelle und Wohnungstüre zum Schutz der Intimität und Privatheit der Familie; die Differenzierung im Gebrauch der Räume einschließlich der Trennung der Kinder nach ihrem Geschlecht; der Ausschluß aller Familienfremden.

Auch hier in Berlin nimmt die Anzahl der Menschen die in WGs wohnen stetig zu. Selbst die “Zitty” hat dem Thema bereits eine Ausgabe gewidmet. In Berlin sind die Lebenshaltungskosten bekanntlich noch recht niedrig, aber die Anzahl der Wohnungen die in den begehrten Kiezen existiert ist einfach begrenzt. Und so teilen sich auch im Prenzlauerberg und in Mitte Menschen ihre Wohnung. Für sie sind die Bürgerliche Wohnkonzepte überholt. Man lehnt sie nicht ab, aber man strebt selbst nach etwas anderem.
Die Unsicherheiten einer, wie auch immer genannten, modernen Gesellschaft sind längst inkorporiert und man hat sich seine eigene individuelle Überlebensstrategie zusammen gebastelt.
Das WG-Zimmer ist das Wohnzimmer, für viele auch Arbeitszimmer, und Schlafzimmer zugleich. Nur gekocht und gegessen wird, wenn überhaupt noch, aber das ist ein anderes Thema, in einer mal größeren mal kleineren gemeinsamen Küche. Dort begegnet man dann vielleicht seinem Aussie-Mitbewohner der, obwohl seit zehn Jahren in Berlin lebend, immer noch kein Deutsch kann oder dem Portugiesen der für drei Monate ein Projekt in der Stadt hat und wohl bereits seit mehreren Jahren seinen dreißigsten Geburtstag feiert. Ihre Zukunft ist gekennzeichnet durch Unwägbarkeiten und Unsicherheit, die eine exakte Lebensplanung unmöglich macht. Urbane Penner eben, wie Mercedes Bunz so schön sagt.
Der Wunsch nach Kindern ist ein ebenfalls eine Art “Projekt” das man irgendwann mal realisieren will wenn man Zeit und einen passenden Partner findet. Und kommt es dann geplant oder ungeplant doch dazu, ist es für die Eltern kein Problem, wenn das Kind in einer WG aufwächst. Daraus zu schließen, dass WGs die moderne Ersatzfamilie für scheinbar überkommene traditionelle Strukturen sind, ist jedoch zu kurz gegriffen. Denn das “zusammen leben” in einer WG ist von begrenzter Dauer. Geht einem der WG-Bewohner das ständige Kindergeschrei auf die Nerven, so sucht er sich eben einen anderen “Raum”.

Die Antwort auf diese neuen gesellschaftlichen Anforderungen könnte in einer neuen räumlichen Verortung der Privatheit zu finden sein. Das Konzept der Privatheit ist immer an das Indivduum gekoppelt hatte, jedoch eine in der modernen Gesellschaft eine räumliche Komponente. In der individualisierten Gesellschaft ist die Privatheit nun allein an das Indviduum gekoppelt. Anstatt dass Privatheit an einen bestimmten Ort gebunden ist, verlagert sie sich nun in einen “Raum” um das Individuum herum und bewegt sich gemeinsam mit dem Individuum von Ort zu Ort.

Das Individuum nimmt seine Privatsphäre auch mit in den Cyberspace auf Reise. Und so zeigt sich gerade in der Online-Welt das große Bedürfniss nach Privatheit und Privatsphäre und einem geschätzten Rückzugsort. Im Second Life bauen sich die User ihr “trautes Heim” und investieren tausende Linden-Dollar (330 Linden Dollar = 1 Euro) in die Sicherung ihrer Privatsphäre.

Privacy goes virtual!

Wer es genauer wissen möchte:

Gleichmann, Peter 1998: Wohnen. In: Häußermann, Hartmut (Hrsg.): Großstadt – Soziologische Stichworte. Opladen: Leske und Budrich, S. 270 – 278

Häußermann, Hartmut 1999: Neue Haushalte – Wohnformen zwischen Individualisierung und Vergemeinschaftung. In: Neue Wohnformen, herausgegeben von der Wüstenrotstiftung, S. 12 – 21

Häußermann, Hartmut/ Siebel, Walter 1996: Soziologie des Wohnens. Eine Einführung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens. München: Juventa-Verlag

Von Saldern, Adelheid 1997: Im Hause, zu Hause. Wohnen im Spannungsfeld von Gegebenheiten und Aneignungen. In: Reulecke, Jürgen (Hrsg.): Geschichte des Wohnens, Band 3, 1800-1918, Das bürgerliche Zeitalter, Deutsche Verlagsanstalt, S. 145-332

Wischermann, Clemens 1997: Mythen, Macht und Mängel: Der deutsche Wohnungsmarkt im Urbanisierungsproze. In: Reulecke, Jürgen (Hrsg.): Geschichte des Wohnens, Band 3, 1800-1918, Das bürgerliche Zeitalter, Deutsche Verlagsanstalt, S.335-636

Wellman, Barry 2003: The Internet in everyday life. Blackwell Publishing, Malden MA (u.a.), reprinted edition.

Turkle, S. 1999: Leben im Netz: Identität in Zeiten des Internet. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.

Rössler, Patrick/ Wirth, Werner 1999: Glaubwürdigkeit im Internet. Fragestellung, Modelle, empirische Befunde. In Reihe Medien-Skripten Nummer 32. Fischer, München.

Virtuelle Welten

Rheingold, Howard 1992: Virtuelle Welten — Reisen im Cyberspace. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.

Köhler, Thomas 2003: Das Selbst im Netz – die Konstruktion sozialer Identität in der computervermittelten Kommunikation. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden.

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