Interview mit Howard Rheingold: Kooperation in virtuellen Welten

Auf Terra Nova findet sich ein kurzes Interview mit Howard Rheingold. Er ist der Autor von “Virtuelle Gemeinschaft: soziale Beziehungen im Zeitalter des Computers” und “Smart Mobs: The Next Social Revolution” und befasst sich mit den Rahmenbedingungen von (sozialen) Medien, Kultur und digitalem Journalismus.Durch die Komplexität der Anwendung, so Rheingold, ist es für neue Nutzer wichtig Freunde zu finden, die ihnen dabei helfen sich in der virtuellen Welt zurecht zu finden und ein soziales Umfeld aufzubauen. Dabei sind sie jedoch auf die Kooperationsbereitschaft der anderen Nutzer angewiesen.

Menschen kooperieren bereitwilliger miteinander, wenn sie sich mit ihnen identifizieren können. Von jemandem anderen den echten Namen zu kennen, erhöht die Wahrscheinlichkeit zu Kooperation und die Bildung von Vertrauen. Um Beispielsweise in Second Life, die Kooperation der User zu steigern, benötigen sie ein bestimmtes Merkmal, damit sie von anderen erkannt werden können.

Rheingold betont, das Menschen, da sie ein soziales Gedächtnis haben, zu kollektiven Handlungen befähigt sind – zur gemeinsamen Verteidigung, Nahrungssuche etc.. Sie lernen dabei aus Fehlern und versuchen nur Kooperationen einzugehen, von denen sich auch in Zukunft einen Nutzen versprechen. Wenn Menschen in virtuellen Welten also ständig ihren Avatar verändern, so ist es weit weniger Wahrscheinlich, dass sie Netzwerke aufbauen können, die ihnen Kooperationen ermöglichen.

Having a persistent identity, even if it is pseudonymous, enables individuals to build social capital

Um eine langfristige Kooperation zu ermöglichen, ist es notwendig Vertrauen aufzubauen, was nur dann möglich ist, wenn man über eine “stabile” Identität verfügt. Um unter den Voraussetzungen der Anonymität, oder besser gesagt von pseodonymus identities, Vertrauen zu erzeugen, ist es notwendig über einen längeren Zeitraum hinweg vertrauenswürdig zu sein. Es ist wichtiger, so Rheingold, einen Betrüger oder einen Kooperationspartner zu erkennen, als seinen oder ihren echten Namen zu kennen.

So behavior over time is the most important factor, not whether you know exactly who is behind the mask.

Denn daraus bildet sich der Ruf und das Ansehen einer Person. Das Ansehen kann dabei zwar durch das eigene Verhalten beeinflußt werden, es ist jedoch ein Merkmal eines sozialen Netwerkes und unterliegt damit nicht der unmittelbaren eigenen Kontrolle.Stellt man sich die Frage, ob mediatisierte Kommunikation mit Avataren ein größeres Potential für die Entwicklung neuer Ideen beinhaltet als im echten Leben, so ist als erstes darauf hinzuweisen, dass die Bandbreite der Möglichkeiten in der Face to Face Begegnung natürlich größer ist und dass sich daran auch in nächster Zeit wenig ändern wird. Menschen haben äußerst feine Mechanismen entwickelt, um Micro-Gesten, Tonfall etc. zu bewerten. Virtuelle Welten sind damit nicht besser für die menschliche Kommunikation, sie ermöglichen jedoch Kommunikation, die bisher nicht möglich war. Rheingold sieht darin einen möglichen Vorteil wenn es darum geht Ideen gemeinsam zu entwickeln.

… I’d say that there might be an advantage in NOT seeing the look of skepticism (or tone of voice that denotes skepticism) on the faces of others. The only way to tell is to experiment.

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